Leopold Mozart Violinschule
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LEOPOLD MOZART VIOLINSCHULE — DIGITALE EDITION

Auch ohne seine beiden musikalischen Kinder wäre Leopold Mozart (1719–1787) heute noch nicht vergessen: Sein Versuch einer gründlichen Violinschule, der 1756 (im Geburtsjahr von Wolfgang Amadé Mozart) erstmals im Druck erschienen ist, ist das bedeutendste deutschsprachige Lehrwerk für Streichinstrumente aus dem 18. Jahrhundert. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Violinschule mehrmals nachgedruckt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Noch heute spielt sie in der musikalischen Ausbildung, nicht nur für Studierende der sogenannten Historischen Aufführungspraxis, eine bedeutende Rolle.

Anlässlich des 300. Geburtstags ihres Autors wurde im Rahmen der Digitalen Mozart-Edition, einem Kooperationsprojekt zwischen der Stiftung Mozarteum Salzburg und dem Packard Humanities Institute in Los Altos (Kalifornien), eine Online-Edition der Violinschule entwickelt. Dem aktuellen Release (12. November 2019) der deutschen Erstauflage von 1756 sollen in den nächsten Monaten Veröffentlichungen weiterer früher Auflagen und Übersetzungen folgen.

EDITIONSRICHTLINIEN

1 Textübertragung

Die Wiedergabe des edierten Texts beruht auf einer diplomatischen Transkription der jeweiligen historischen Textdrucke (vgl. 1.1). Im Zuge des Editionsprozesses wird diese Basis editorisch weiter aufbereitet. Der Abschnitt zu editorischen Eingriffen (1.2) wird mit fortschreitender Bearbeitung des Texts laufend ergänzt.

1.1 Transkription

1.1.1 Inhalte

Der edierte Text verzichtet auf die Wiedergabe von Kolumnentiteln, Bogensignaturen, Kustoden und Vignetten.

Seitenumbrüche sind durch Icons mit einer Angabe der originalen Seitenzählung gekennzeichnet. Diese setzt in der Vorlage mit der „Einleitung in die Violinschule“ ein. In den einleitenden Textteilen ohne originale Paginierung (bis einschließlich „Vorbericht“) ist eine Seitenzählung in Form von römischen Lettern in eckigen Klammern ergänzt. Die Seitenumbrüche bzw. Icons gehen nicht mit der Ansetzung eines neuen Absatzes einher.

Die Zeilenumbrüche der Vorlage werden grundsätzlich nicht reproduziert. Wo in der Vorlage Textzentrierung oder eine schmale Satzbreite das Schriftbild bestimmen (dies betrifft Titelblatt, Epigraf, Widmung und Widmungstext) werden die Zeilenumbrüche diplomatisch wiedergegeben; umgebrochene Wörter werden dabei aber vollständig auf die folgende Zeile bzw. Seite verschoben.

1.1.2 Optische Strukturierung

Die optische Strukturierung der Textwiedergabe orientiert sich am Originaldruck, ohne diesem in allen Einzelheiten zu folgen:

– Der in Paragrafen organisierte Fließtext wird nicht im Blocksatz, sondern linksbündig dargestellt.

– Ein Seitenumbruch führt nicht zur Ansetzung eines neuen Absatzes.

– Notenbeispielen und Grafiken stehen in einer eigenen Zeile, nicht innerhalb eines Absatzes.

– Kurze, auf einzelne Notenbeispiele bezogene Textabsätze werden (i.d.R. in Abweichung von der Vorlage) vor dem jeweiligen Beispiel angezeigt.

– Die originalen Fußnoten werden direkt beim Fußnotenzeichen platziert. Sie können ein- und ausgeblendet werden.

– Gegenüber der Vorlage wurde die Anzahl unterschiedlicher Schriftgrößen reduziert.

1.1.3 Schriften

Fraktur wird in Serifen-Schrift wiedergegeben; die in der Vorlage zur Hervorhebung von lateinischen oder anderen fremdsprachigen Textteilen verwendete Lateinschrift in einer serifenlosen Schrift. Hervorhebungen innerhalb der lateinschriftlichen Textteile erfolgen wie im Originaldruck durch Kursivierung. Hervorhebungen innerhalb der Frakturschrift, die im Originaldruck durch Schwabacher Lettern angezeigt werden, stehen in der Edition im Sperrsatz. Die Vorlage verwendet Sperrsatz nur im Titelblatt sowie in Widmung und Widmungstext; diese Textteile werden in der Übertragung fettgedruckt angezeigt. Die hier beschriebenen Vorgehensweisen gelten auch für Texte, die Teil einer Abbildung sind (mit Ausnahme der Schriften im Frontispiz).

1.1.4 Zeichen

Schaft-s (ſ) wird als modernes s wiedergegeben, Umlautpunkte ersetzen Umlaut-e. In den Referenztexten vereinzelt vorkommende undeutlich gedruckte Buchstaben werden interpoliert.

1.2 Editorische Eingriffe

1.2.1 Korrekturen

Offensichtliche (Druck-)Fehler werden korrigiert und die resultierenden Formen grau gekennzeichnet.

1.2.2 Normalisierung

Sämtliche Normalisierungen sind im Folgenden beschrieben. Im Text selbst erfolgt keine Kennzeichnung.

Die Interpunktion im „Register.“ ist wie folgt normiert: Auf das (ggf. durch Attributierung näher bestimmte) Stichwort folgt ein Punkt (z.B. „Abstossen der Noten. wie es angezeiget wird. I. III. 20. […]“ oder „Accent, der musikalische. auf welche Noten er kömmt. XII. 9. 10. […]“). Wo erforderlich, wie hier im „Accent“-Beispiel, wird nach dem fettgedruckten Stichwort ein Komma ergänzt. Die Untereinträge (mit Ausnahme vollständiger Satzgebilde) beginnen mit Kleinschreibung und schließen ebenfalls mit Punkt.

Die Bezeichnung von Abbildungen erfolgt wie in der Vorlage durch römische Ziffern. Die bei der Abbildung stehende Nummerierung wird normalisiert stets ohne das im Original bisweilen stehende Beugungssuffix wiedergegeben (also z.B. „Fig. II.“ und nicht „Fig. II.da“).

Normalisierungen der Groß- und Kleinschreibung von zu Abbildungen gehörendem Text orientieren sich an den Präferenzen der Vorlage.

1.2.3 Disambiguierung

Das Zeichen „b“ wird gemäß der modernen Konvention zu „b“ und „♭“ aufgelöst.

Das Zeichen „J“ am Wortanfang wird nur vor Konsonanten zu „I“ aufgelöst.

2 Übertragung der Notenbeispiele

Die Notenbeispiele werden nach Maßgabe eines modernen Notensatzes wiedergegeben. Eine getreue Wiedergabe des originalen Zeilenfalls wird nicht angestrebt. In der Vorlage mit einer Nummer versehene Beispiele beginnen in der Edition in einer eigenen Notenzeile (dies gilt auch für durch Buchstaben erfolgende „Unternummerierung“, etwa hier).

Die Beispiele sind gegenüber dem Originaltext zudem (i.d.R. stillschweigend) standardisiert (vgl. 2.1) und (i.d.R. markiert) korrigiert (vgl. 2.2). Für eine detaillierte Übersicht, welche Eingriffe (nicht) gekennzeichnet werden, vgl. Punkt 2.2 der Richtlinien.

2.1 Anmerkungen zur Standardisierung (i.d.R. stillschweigend)

Geschweifte Akkoladenklammern dienen im Originaltext der übersichtlicheren Gliederung von Beispielen (vgl. hier) oder aber der Anzeige von Mehrstimmigkeit (vgl. hier). Diese Verwendungsweisen werden in der Edition beibehalten, allerdings unter konsequenter Ergänzung eines Initialtaktstrichs. Verbindet die Klammer in der Vorlage dagegen mehrere Variante der Ausführung einer musikalischen Stelle, wird sie im edierten Text nicht wiedergegeben (vgl. hier).

Auf die Wiedergabe der im Originaltext stets vorhandenen Kustoden vor Umbruch am Zeilenende wird verzichtet, ebenso auf die Übernahme des in der Vorlage gelegentlich auf den Kustos folgenden Schlussstrichs.

Tempobezeichnungen stehen im edierten Text standardisiert oberhalb der Notenzeile und werden, wie normalerweise in der Vorlage, mit Punkt abgeschlossen. Es gilt Großschreibung für jedes Wort, also z.B. „Molto Allegro“.

Punktierung über Taktgrenzen hinweg wird in der Übertragung der Notenbeispiele Überbindung aufgelöst. Leopold Mozart selbst äußert sich in der Violinschule hier zur „Auflösung“ dieser speziellen Notationsform.

Notenbalken werden innerhalb der einzelnen Beispiele standardisiert, d.h. es wird die gleiche Anzahl Noten zu Gruppen verbunden.

Notenhälse zeigen bis nach oben, bei allen Noten ab nach unten (Ausnahmen gibt es bei mehreren Noten auf einem Balken). Aus der Richtung der Notenköpfe folgt entsprechend den Gepflogenheiten eines modernen Notensatzes auch die Positionierung artikulatorischer Zeichen (z.B. Keil) über oder unter der Notenzeile.

In Abweichung von der Vorlage werden Versetzungszeichen innerhalb eines Taktes nicht wiederholt, außer bei Zeilenwechsel im Takt oder wenn der betroffene Ton in mehreren Oktavlagen vorkommt. Bei Versetzung wird im Folgetakt stets (bei Eingriff unter Kennzeichnung) angezeigt, ob diese weiterbesteht oder aufgelöst wird. Dies gilt auch für andere Oktavlagen. Falls der versetzte Ton erst wieder im übernächsten Takt auftritt, wird die Rückkehr zum Stammton nicht eigens angezeigt.

Bei innerhalb eines Beispiels durchgehender oder häufig wiederholter Triolierung wird die entsprechende Kennzeichnung („3“) im Gegensatz zur Vorlage nur zweimal wiedergegeben.

Pausenzeichen befinden sich in der Edition immer auf „moderner“ Standard-Höhe.

Fingersätze werden nach Maßgabe der Lesbarkeit meist, aber nicht immer, analog zum Quelltext positioniert.

Die in der Quelle herrschende Varianz bezüglich des Vorhanden-Seins eines Bindebogens von der Vorschlag- zur Hauptnote wird nur innerhalb des jeweiligen Beispiels normalisiert.

Die von der Vorlage bei Nummerierung von Musikbeispielen gelegentlich verwendeten römischen Ziffern werden als arabische wiedergegeben. Nach der Zahl (und nach der Abkürzung „N.“ für „Numero“, so vorhanden) steht ein (ggf. ergänzter) Punkt. Es gilt also beispielsweise „N. 2.“.

Unmittelbar auf eine bestimmte Stelle innerhalb eines Notenbeispiels bezogener Text ist hinsichtlich der Groß- und Kleinschreibung, Orthografie sowie Interpunktion in der Vorlage nicht immer konsistent. Normalisierungen nach Maßgabe der in der Quelle häufigsten Form führen zu folgenden Abweichungen des edierten Texts von der Vorlage:

Vorlage Wiedergabe
„auf dem D“, „auf der (A) Seyte.“ „Auf dem (D).“, „Auf der (A) Seyte.“
„leer.“ (= ohne mit den Fingern zu greifen auf der leeren Saite zu streichen) „leer“
„he.“, „hi.“, „her“, „hin“ (Strichanweisungen) „her.“, „hin.“
„oder.“ „oder“
„Und so immerfort.“ „und so immerfort.“
2.2 Zur Kennzeichnung editorischer Eingriffe

Editorische Eingriffe innerhalb der Notenbeispiele werden durch Graufärbung der betroffenen Elemente gekennzeichnet. Grund und Art des Eingriffs erschließen sich im Vergleich mit der Vorlage. Gekennzeichnet werden:

Korrekturen von

  • Tonhöhe (auch Kustoden)
  • Rhythmik (Noten, Pausen, Taktangaben)
  • Bindebögen
  • Fingersätzen
  • Takt- und Schlussstrichen (Positionierung im Beispiel)
  • dynamischen Zeichen (Positionierung, Zeichen)
  • Stellenmarkierungen (Positionierung von „Sternen“, vgl. z.B. hier)

Ergänzungen von

  • Akkoladenklammern
  • Tempi
  • Schlüsseln
  • Taktangaben
  • Bindebögen
  • Versetzungszeichen (Ausnahme bei Wiederholung von Versetzungszeichen wegen Zeilenumbruch)
  • Pausen
  • Keilen
  • Fingersätzen
  • Triller-Zeichen
  • Triolen-Zeichen („3“)
  • Punktierung
  • dynamischen Zeichen
  • Takt- und Schlussstrichen
  • Kustoden
  • Wiederholungszeichen

Auflösung von Abkürzungen

  • Tempoangaben

Nicht gekennzeichnet werden (neben den bereits unter 2.1 angeführten Normalisierungen):

Standardisierung der

  • Positionierung über oder unter der Notenzeile (betrifft Beitexte, Tempoangaben, Generalbassbezifferung, dynamische Zeichen, Strichanweisungen)
  • formalen Darstellung (betrifft Triller-Zeichen und dynamische Zeichen)
  • Orthografie (betrifft Beitexte, Strichanweisungen und Tempoangaben)

Weglassung von

  • in der Vorlage versehentlich gesetzten (überflüssigen) Zeichen
  • Warnakzidenzien (in der Vorlage häufig bei Wiederholung des versetzten Tons innerhalb eines Taktes und gelegentlich im übernächsten Takt zur Anzeige der Rückkehr in den Stammton)

Ergänzung von

  • Versetzungszeichen bei erster Note im Takt nach ursprünglicher Versetzung bei letzter Note des vorhergehenden Taktes

LIZENZ / KONTAKT

Projektteam DME :: Leopold Mozart Violinschule Online
Herausgegeben im Rahmen der Digitalen Mozart-Edition (DME), ein Kooperationsprojekt zwischen der Internationalen Stiftung Mozarteum (Salzburg) und dem Packard Humanities Institute (Los Altos, Kalifornien)

Projektleiter DME: Ulrich Leisinger
Mitarbeit: Agnes Amminger (Edition)

Felix Gründer (Webentwicklung)

Franz Kelnreiter (technische Koodination)

Urs Liska (Notensatz)

Katerina Volgger (Kodierung)

Träger
Internationale Stiftung Mozarteum (ISM), Salzburg
Packard Humanities Institute (PHI), Los Altos (Kalifornien/USA)

Kontakt
dme@mozarteum.at

Empfohlene Zitierweise
Leopold Mozart Violinschule, herausgegeben von der Internationalen Stiftung Mozarteum, Salzburg (https://dme.mozarteum.at/digital-editions/violinschule, {Datum der Nutzung}).

Erstveröffentlichung: 12. November 2019

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